Gedanken zum 3. Sonntag nach Trinitatis

 Da blüht Dir was

 

28. Juni 2020

 

Die gepflanzt sind im Hause des HERRN , werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, dass sie verkündigen, wie der HERR es recht macht.

(Psalm 92,14–1

Liebe Gemeinde,


Das Wort „Blühen“ ist mehr als ein Begriff aus der Floristik. Es ist sprichwörtlich zu verstehen. Vielleicht kennen Sie auch einen Menschen, von dem sie sagen können: „Der ist richtig aufgeblüht.“ Oder sie kennen einen, der sie immer wieder überrascht mit seiner „blühenden Phantasie.“
Wer möchte nicht aufblühen und sich entfalten wie eine Blume? Es können unterschiedliche Dinge sein, die uns zum blühen bringen. Uns können Augenblicke und Momente verändern. Wir können spüren, dass in uns etwas aufblüht. Mag sein, dass Ihnen in diesem Gottesdienst im positiven Sinn auch etwas blüht.

 

Gebet

Gott, aus dir sprudelt alles Leben hervor.
Wie schön, wenn das in dieser Jahreszeit sichtbar und spürbar wird.
Wie schön, wenn wir in all den bunten Farben unserer Welt dich erahnen.
Lass die Kraft der Sonnenstrahlen einziehen in unsere Herzen, damit es in uns Sommer werden kann. Zeig uns, wie wir im vollen Grün der Hoffnung stehen können.
Lass uns verschwenderisch sein mit dem Rot der Liebe.
Durchdringe uns mit dem Blau des Himmels,
mit dem tröstlichen Wissen, dass deine Güte in uns und um uns ist.
Komm zu uns, Gott des Lebens, mit jedem Atemzug, damit es in uns licht und warm wird

 

Eingangslied EG 456Vom Aufgang der Sonne“

 

Lesung:

Jesus sagt:
Ich bin gekommen, dass sie das Leben in seiner ganzen Fülle haben sollen. Leben wie eine Blüte, die sich immer der Sonne entgegenstreckt und sich öffnet dem Licht, der Wärme, dem Tau. Leben wie eine Frucht, die langsam reift in jedem Wetter, die Kraft sammelt und Süße, um alles zu geben zur Freude. Leben wie ein Licht, dass entzündet wurde am Osterlicht, dass alles Dunkel erhellt, dass aufleuchtet als Wahrheit und Zeugnis. Leben wie ein Fest, das mit anderen gefeiert sein will, das offen ist für das Hinzukommen Vieler,
wo Lieder und Freude zu Hause sind.“

Eckard, Verweilen

Lied EG 503, 1-2 „Geh aus mein Herz

 

 Predigt

 

Liebe Gemeinde!

Da blüht dir was!“

Mir blüht jetzt noch der Einkauf, so eine Mutter von einer 6 köpfige-Familie. Mir blüht jetzt noch das Aufräumen, nachdem meine Kinder mit den Enkel wieder gefahren sind, so eine Oma. Mir blüht jetzt noch, dass ich die Predigt schreibe für Sonntag, so sagte ich es gestern nach der Taufe. Das klingt ja eher ein wenig negativ. Da blüht dir was. Sagt man auch, wenn ich Mist gebaut habe, eine Fehler gemacht habe, dann weiß ich selber, dass das Folgen haben wird und was da mir noch blüht? Da zieht sich schon mein Magen zusammen. Wenn ich daran denke. Das verbreitet eher Angst, denn da kommt etwas auf mich zu, das gar nicht gut klingt, unangenehm. Da blüht dir was. Soll doch eigentlich auch positiv klingen.

 

Mir blüht was

Der Frühling kommt, die Pflanzen sprießen,
die Nase läuft und ich muss niesen.
Der Grund sind meine Allergien,
wenn Gräser, Blumen, Bäume blühn.

Mit den Gräsern angefangen
muss ich bis zum Sommer bangen.
Erst blüht im März die Haselnuss,
von der ich ständig schniefen muss.

Dann Erle, Birke, Esche, Buche:
sie alle blühen auf – ich fluche.
Schwirrt die Luft erst voller Pollen,
sind die Augen rot verquollen.

Was schert es mich, dass Blüten duften?
Kann nichts riechen, habe Schnupfen!
Fast jeder findet Frühling toll,
nur ich hab echt die Nase voll.

 

Die Nase voll haben vom Blühen.

Aber blühen ist doch eigentlich etwas Positives. Wenn nach einem kalten Winter die ersten Frühlingsblumen blühen und den Frühling ankündigen. Wenn der Flieder blüht und so herrlich duftet. Wenn die Rosen blühen und so manche jetzt auch einen Blühwiese im Garten haben. Die Blumen schauen so schön aus, wenn sie blühen und ihre Farbvielfalt zeigen, rot, blau, gelb, weiß. Das ist doch herrlich anzuschauen. Ich liebe so eine Wiese mit vielen Blumen. Auch wenn mir die Nase tropft und die Augen tränen.

Wenn die Natur in voller Blüte ihren Charme versprüht, dann blühen wir mit auf. Frühlingsgefühle sagen wir. Wir möchten nicht mehr traurig sein, sondern Freude soll in uns aufblühen. Wir möchten nicht mehr frieren vor gesellschaftlicher Kälte, sondern die Freundlichkeit der Menschen soll uns zum Blühen bringen. „Die blüht ja richtig auf“, sagen wir zu einem Menschen, der ausgelassen und heiter zu erzählen beginnt. Die blüht ja richtig auf, wenn eine vor Freude tanzt und aus heiterem Himmel zu lachen beginnt. Nichts ist mehr da, was sie hindern könnte: kein Misstrauen, kein Vorurteil, keine Einschüchterung, alles geschieht in einer Atmosphäre von Wärme und Nächstenliebe. Wir kennen nur zu gut den Kontrast zwischen Aufblühen und Erstarren, zwischen einer Wohlfühlatmosphäre und einem kalten Miteinander. Das spüren wir vor allem jetzt in unserem Alltag und merken wir sehr wir uns die Freundlichkeit und Nähe wünschen.

Was bringt uns zum Aufblühen?

Das ist ein freundliches und liebvolles Lächeln, eine liebevolle Geste, vorbehaltlose Liebe, die verströmt, ein warmherziges Gefühl gegenüber anderen. Wenn wir uns lieben. Mit uns und der Welt um uns herum zufrieden sind. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Eines unsere Haupt-Gebote. D.h. ich muss auch mich selbst lieben, mit mir selbst zufrieden sein – das ist nicht leicht -, dann kann ich auch die Menschen um mich herum lieben. Wenn wir uns mit Liebe umgeben und anderen diese Liebe abgeben, dann hört „Die Liebe niemals auf“, so sagte es einst Paulus.

Wer sich selbst und den anderen liebt, der läßt die Welt um sich herum aufblühen.

Was mich manchmal fasziniert an den Blumen und Pflanzen. Da kommt ein starkes Gewitter, die so manche Blume, Pflanze auf den Boden drückt. Eine Blume habe ich im Garten, die ist vom Gewitter niedergedrückt worden, ich dachte schon, jetzt wird sie nicht mehr blühen, so geknickt wie sie ist. Aber dann bemerkte ich, dass sie sich wieder aufrichtet und eine wunderschöne Blüte hat sie jetzt. Der Stengel liegt zwar noch am Boden, aber am Ende richtet sie ihren Blütenkopf der Sonne entgegen und blüht wunderbar. Sie gibt nicht auf und streckt sich der Sonne entgegen, das möchte ich mir abschauen und mich auch nicht unterkriegen lassen. Auch nach Fehlern, nachdem geknickt sein, wieder aufblühen.

In einer alten östlichen Geschichte möchte Gott einen Mann für seine außergewöhnliche Freundlichkeit und reine Absicht belohnen. Er ruft einen Engel herbei und befiehlt ihm, diesen Mann aufzusuchen und zu fragen, was er wich wünscht: Er soll alles bekommen, was sein Herz begehrt. Der Engel erscheint vor dem freundlichen Mann und überbringt ihm die gute Botschaft. Der Mann erwidert: „Oh aber ich bin bereits glücklich. Ich habe alles, was ich möchte.“ Der Engel erklärt ihm, dass man mit Gott taktvoll umgehen müsse. Wenn ER jemandem ein Geschenk machen wolle, täte man gut daran, es anzunehmen. Daraufhin entgegnete der freundliche Mann: „Wenn das so ist, möchte ich, dass alle Lebewesen, die mit mir in Kontakt kommen, sich wohlfühlen und aufblühen. Aber ich will nichts davon erfahren.“ Von jenem Augenblick an geschieht es, dass – wo immer der Mann sich gerade aufhält – verwelkte Pflanzen von neuem erblühen, schwache Tiere wieder stark, kranke Menschen gesund werden, dass von den Unglücklichen die Last abfällt, Feinde Frieden schließen und dass jene, die von Problemen bedrängt werden, sie lösen. All das ereignet sich ohne das Wissen des Mannes – immer hinter seinem Rücken, nie vor seinen Augen. Er empfindet nicht den geringsten Stolz, hegt keinerlei Erwartung. Unwissend und zufrieden beschreitet der freundliche Mann die Wege dieser Welt und verbreitet die Liebe und das Glück unter allen Lebewesen.

Was für eine schöne Geschichte.

Was bedeutet das für uns?

Öffne dich für das, was Gott dir geben will, damit du aufblühst.

Sei wie eine Schale, empfänglich für Gedanken des Friedens.

Halte deine leeren Hände hin, offen für die Fülle des Lebens.

Öffne dein Herz, bereit für die Kraft der Liebe.

Sei wie gute Erde, gelockert für Samen der Gerechtigkeit.

Sei wie ein Flussbett, empfänglich für das Wasser der Güte.

Und dann mache dich auf den Weg wie der freundliche Mann und schenke weiter, was du von Gott bekommen hast. Du wirst sehen: da blüht dir was! Amen.

 

Lied EG 503, 13+14 „Geh aus mein Herz

 

Fürbittengebet

Gott, du bist wie die Luft. Wir können dich nicht sehen und doch atmen wir deine Gegenwart.
Gott, du bist wie das Meer. Wir können nicht in die Tiefe deines Geheimnisses vordringen und doch erreichen uns die Wellen deiner Gerechtigkeit.
Gott, du bist wie eine Quelle. Wir können nicht zum Ursprung gelangen und doch löschst du unseren Durst nach Frieden.
Gott, du bist wie eine blühende Wiese. Wir können die Vielfalt deiner Liebe nicht erfassen und doch begegnest du jedem ganz persönlich in seiner Einzigartigkeit.

Gott, du bist wie die Sonne. Wir können dich hinter den Wolken unserer Sorgen oft nicht entdecken und doch gibst du uns Wärme.
Wie nah und wie fern du uns auch manchmal sein magst, du bist das Leben in uns und um uns herum.
Amen.

Vaterunser...

 

Segen

Gott, was in uns wachsen will, das stärke;
was in uns blühen will, das behüte;
was wir anderen geben, das segne.
Amen.

 

Wochenspruch:

 

"Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist."

 

 

Lukas 19,10

 

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche!

 

 

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