Gedanken zum 2. Sonntag nach Trinitatis

 Kein exklusiver Club

 

 

21. Juni 2020

 

Tut mir leid, keine Zeit“ – eine Absage, schnell und achtlos dahingesagt, manchmal später bereut. Wer kennt das nicht? Wenn Gott einlädt zum Fest des Lebens, dann sollte man es nicht verpassen.

 

Dann gilt seine Einladung allen: Wohlhabenden und Armen, Nahestehenden und Fernen, Glaubenden und Zweifelnden. Da ist niemand, der ausgeschlossen wird. Alle, die Sehnsucht haben, alle denen ihre Last manchmal schwer wird, sind willkommen. Wohl dem, der die Einladung annimmt! Der 2. Sonntag nach Trinitatis ermuntert dazu, Gottes Einladung nicht auszuschlagen, sondern sich an seinen Tisch rufen zu lassen in eine bunt gemischte, wachsende Gemeinschaft, in der ein Klima der gegenseitigen Achtsamkeit und Wertschätzung, Offenheit für Außenstehende und Nachsicht gegen Schwächere herrscht. Christentum ist kein exklusiver Club – Gott sei Dank!

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du lädst alle ein, die beladen sind:
die belastet sind mit Sorgen: um die Welt, um andere, um sich selbst;
die sich nur mühsam bewegen können und unter Schmerzen leiden,
die schwer zu tragen haben an ihrer Verantwortung,
die leiden unter dem Hass anderer.
Hier bin ich – hier sind wir.
Erquicke uns durch dein Wort,
erfrische uns an Geist und Seele,
schenke Kraft den müden Körpern.
Lass uns dein Wort hören und deinen Ruf vernehmen,
dass wir uns bergen können in deiner Liebe und Ruhe finden für unsere Seelen.
Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist
lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Eingangslied EG 454,1-6Auf und macht die Herzen weit“

 

Evangelium: Lukas 14,16-24

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

 

Wochenlied EG 213, 1-4.6 Kommt her, ihr seid geladen“

 

 Predigt

 

Liebe Gemeinde!

 

Manchmal hätte ich gern mehr Zeit mit Ihnen hier im Gottesdienst zu sprechen. Wie geht es Ihnen jetzt in dieser Zeit, der Coronakrise. Im Moment gibt es wieder Lockerungen und das alte Leben scheint zurückzukehren, aber nicht ganz. Das Virus ist immer noch da, Mundschutz und Abstand bleibt.

Heute sind sie gekommen in den Gottesdienst. Liegt Ihnen etwas ganz speziell auf dem Herzen oder kommen sie, weil es für sie am Sonntag dazugehört? Wie geht es uns in all den Krisen, vor allem jetzt. Dazu ein paar Stimmen, die ich aufgeschnappt habe:

  • von einem Jugendlichen, der nächstes Jahr seinen Schul-Abschluss macht. Gerade jetzt in dieser Zeit zu Hause sitzt und über die Aufgaben der Lehrer brütet. Manchmal kommen sie ihm wie ein großer Berg vor, das schafft er nicht. Und dann die Unsicherheit, wird es reichen für das nächste Jahr und die Abschlussprüfungen. Wie wird das alles werden. Das alleine sitzen zu Hause über die Aufgaben regt ihn langsam auf. Die Freunde gehen ihm ab, die Ausgelassenheit und die Freiheit. Eine Woche war er nun wieder in der Schule mit Abstand und Mundschutz. Alles ist so komisch und unsicher.

  • Da erzählt eine Mutter von ihren Sorgen. Zu Hause mit ihren zwei Kindern. Beide noch in der Grundschule. Sie fühlt sich verantwortlich, will alles perfekt machen. Doch immer wieder gibt es Streit mit den Kindern und den Hausaufgaben. Sie kann es halt doch nicht so geduldig erklären wie ihre Lehrerin. Und dann ist da noch der Haushalt, Essen kochen, Waschen. Ihr Mann ist im homeoffice, dann muss sie dafür sorgen, dass es ruhig ist und er nicht gestört wird. Und was ist mit ihr? Sie ist froh, dass die Kinder bald wieder zumindest verkürzt in die Schule können. Doch die Angst um sie, ihren Mann und die Kinder läßt sie manchmal nicht schlafen.

  • So auch jene ältere Frau. Sie sitzt auch zu Hause, Wochen nein Monate sind es schon, dass sie ihre Kinder und Enkel nicht gesehen hat. Nur immer am Telefon, das ist eben nicht dasselbe. Sie hat Angst um ihren Mann und sich. Sie sind die Risikogruppe. Was ist wenn sie das Virus bekommen. Werden sie dann sterben? Und wie werden sie dann sterben? Sie fühlt sich träge und müde, ohnmächtig. Der Antrieb fehlt. Gleichzeitig will sie aber auch raus, die Welt, die Kinder sehen.

  • Dort sitzt ein Mann an seinem Schreibtisch. Er hat einen kleinen Betrieb. Jeden Tag kommen neue Vorschriften heraus. All diese immer wieder durcharbeiten, ist mühsam, er hat auch gar keine Zeit dafür. Doch er hat Angst, trägt doch auch Verantwortung für den Betrieb für seine Angestellte. Und wenn einer das Virus bekommt, dann muss er den Betrieb erstmal schließen. Reicht dann das Geld, hat er gut gewirtschaftet?

Ja, wie wird es wohl weitergehen, wie lange werden wir noch mit Mundschutz und Abstand in die Geschäfte, in den Gottesdienst kommen müssen? Wie lange dürfen wir keine Hände schütteln?

Wann wird es endlich vielleicht ein Medikament, einen Impfstoff dagegen geben? Gestern feierten wir die erste Hochzeit seit langem, meine erste Corona-Hochzeit, immer wieder darauf achten Mundschutz, Abstand und dann stand das Paar vor der Kirche und natürlich gab es da trotzdem Umarmungen für das Brautpaar. Dürfen wir das, muss ich es als Pfarrerin verbieten? Das kann ich nicht. Das gehört doch zum Leben dazu. Wir brauchen das doch die Nähe, die Umarmungen, den anderen Spüren. Doch was ist wenn einer nur Corona hat, unwissend? Dann können wir die Kirchen zu machen.

Was ist uns da nur auferlegt worden. Was für ein Joch! Was für eine Last? Das Leben ist so mühsam, so beladen mit all der Angst und den Sorgen, dem Alleinsein und den Erwartungen. Was kann uns helfen?

Matthäus 11, 25-30: Jesu Lobpreis. Der Heilandsruf

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Einer meiner Lieblingssprüche. Beim Abendmahl feiern, schließe ich gern den Kreis mit diesem Spruch ab. Denn wir sind gekommen, so wie wir sind und haben uns stärken lassen von Christus. Das Abendmahl will uns für den Alltag stärken, auch das können wir im Moment so nicht feiern. Heute will ich am liebsten Jesus anschreien: „Ja, da sind wir mit all unserer Angst und all unseren Sorgen, die uns nicht schlafen lassen. Und … Und jetzt?“ Was ist wenn ich nicht mehr kann? Was ist, wenn ich aber anders leben will mit Nähe und frei ohne Mundschutz? Was ist wenn die Veränderungen mich depressiv machen. Was ist mit meiner Angst vo der Krankheit? Ja, alles verändert sich immer und immer wieder. Nichts bleibt. Das denken wir immer. Und das merken wir jetzt umso deutlicher, wie schnell sich alles verändern kann. Den Augenblick genießen, jetzt und nicht später, weil später kann es vielleicht gar nicht mehr geben. Wir haben zu sicher gelebt, dass alles so bleibt. Jetzt sind wir wieder eines Besseren belehrt worden. Den Sonnenschein jetzt genießen, denn im nächsten Moment kann er wieder verschwinden. Ja, kapiert und verstanden.